Parlament

Bundestag gedenkt der Opfer des Warschauer Ghetto-Aufstandes

Mit einer Schweigeminute haben die Abgeordneten des Deutschen Bundestages der Opfer des Warschauer Ghetto-Aufstandes vor 80 Jahren gedacht. Notdürftig bewaffnete Jüdinnen und Juden hatten sich am 19. April 1943 in Warschau gegen die in das Ghetto einmarschierenden SS-Einheiten erhoben. „Es war ein aussichtsloser Kampf, in dem Würde und Mut gegen tiefste Menschenverachtung und Grausamkeit antraten“, sagte Bundestagspräsidentin Bärbel Bas zu Beginn der Plenarsitzung am Donnerstag, 20. April 2023.

Bas: Größte jüdische Erhebung im besetzten Europa

Schwarz-weiß-Aufnahme von Menschen mit gehobenen Händen, die an einer Wache mit im Anschlag erhobenen Gewehr vorbeilaufen

Warschauer Ghettoaufstand April/Mai 1943: Ein kleiner Junge mit erhobenen Händen, Frauen und andere Kinder kommen aus einem von den deutschen Truppen eroberten Haus. Foto aus dem Album von SS-Gruppenführer und Polizei-Generalmajor Jürgen Stroop. (picture-alliance / brandstaetter images/Austrian Archives | Anonym)

„Die jüdischen Kämpferinnen und Kämpfer hatten keine Hoffnung auf einen Sieg. Keine Hoffnung auf ein Entkommen. Keine Hoffnung für die Zukunft ihres Volkes in ihrer Heimat.“ Mit Verweis auf die Erinnerung von Marek Edelman, einem der Kommandanten der Aufständischen, fügte sie hinzu: „Sie sahen es aber als ihre Pflicht, öffentlich im Kampf zu sterben, um der Welt ihre Lage vor Augen zu führen.“ Auch die etwa 50.000 Zivilisten, die zu Beginn des Aufstands im Ghetto lebten, leisteten nach Bas Worten Widerstand gegen die deutschen Besatzer. Sie versteckten sich, seien nicht an den Sammelpunkten zur Deportation erschienen und unterstützten die Kämpfenden.

Bärbel Bas steht hinter einem Mikrofon am Platz des Sitzungsvorstandes im Plenarsaal des Deutschen Bundestages und spricht

Bärbel Bas während ihrer Ansprache aus Anlass des Gedenkens an den Warschauer Ghetto-Aufstand vor dem Plenum des Bundestages (DBT/Thomas Trutschel/photothek)

„Der Aufstand im Warschauer Ghetto war die größte jüdische Erhebung und der erste städtische Volksaufstand im nationalsozialistisch-besetzten Europa“, so die Parlamentspräsidentin. Er habe andere Aufständische ermutigt, etwa in Białystok oder Minsk. „Wir verneigen uns heute vor den jüdischen Aufständischen und allen Opfern des Warschauer Ghettos“, schloss sie ihre Gedenkrede. „Wir verneigen uns vor den ermordeten, verschleppten, gefolterten, entrechteten, gedemütigten und beraubten Jüdinnen und Juden Europas.“ (irs/20.04.2023)

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