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Internationales

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„Wir waren selber als Schüler auf Austauschjahr in den USA“

© privat

Was hat Sie bewogen, einen PPP-Stipendiaten als Gastkind aufzunehmen?

Da kommt dreierlei zusammen:

Wir beide waren selber als Schüler auf Austauschjahr in den USA und wissen, wie bereichernd und prägend so eine Erfahrung für das spätere Leben ist. Deshalb wollten wir da etwas zurückgeben, in dem Sinne, dass wir es jungen US Bürgern ermöglichen, genau dies Erfahrung auch zu machen.

Der zweite Grund: wir wissen aus genau dieser Erfahrung, das diese Bereicherung keine Einbahnstraße ist. Denn auch die Gastfamilien profitieren ungemein dadurch, dass auf Zeit ein Familienmitglied im Haus ist, das völlig anders tickt und völlig anderen Input ins Alltagsleben gibt.

Und zum dritten: weil wir Platz hatten.

Was waren Ihre Erwartungen an Ihren Gast?

Dass er genau das tut: sich einbringen, sich mitteilen, Teil der Familie werden. Nach drei PPPlern lautet unser Fazit: das klappt manchmal mehr, manchmal weniger und manchmal überhaupt nicht. Das ist aber nur allzu logisch, denn es wäre ja ein Wunder, wenn alle Menschen sich immer lieben würden.

Was war bisher Ihr schönstes Erlebnis mit Ihrem Gastkind?

Als Jason, unser zweiter PPPler, bei einem Besuch neulich einer dritten Person ausführlichst vorschwärmte, wie schön das Leben bei uns gewesen sei und wie es ihn weitergebracht und zu neuen Einsichten gebracht habe. Er merkte nicht, dass ich hinter ihm stand und ihm zuhörte.

Haben Sie davon profitiert, Gastfamilie zu sein?

Unbedingt.

Nicht nur wir beide Erwachsenen, sondern auch unser elfjähriger Sohn. Er bekommt jedes Jahr sozusagen einen neuen großen Bruder. Neulich sagte er zwar, dass es schade sei, dass der immer dann weggehe, wenn er sich gerade an ihn gewöhnt habe, aber auch er freut sich schon auf den nächsten, unseren vierten PPPLer, wenn er im Oktober kommt. Übrigens – auch wir haben auch davon profitiert,  als wir uns im Unguten von unserem allerersten PPPler  trennen mussten. Ganze einfach, weil es immer gut ist, sich und seine Standpunkte kritisch zu hinterfragen.

Welche Pflichten haben Sie als Gastfamilie?

Neben der Beherbergung mit Essen, Trinken, Schlafplatz, Wäsche waschen usw. gehört auch dazu, Hilfestellung im Alltag zu geben. Über diese Pflicht hinaus ist es uns wichtig, den PPPlern zu zeigen, dass es in Deutschland eine gesellschaftliche soziale Freiheit gibt, die es so in den  USA nicht gibt, ihnen hiesige Kunst, Kultur, Bräuche, Essen etc.  nahezubringen. Auch das klappt manchmal mehr, manchmal weniger. Und vor allem: wir möchten mit ihnen quasi als Familienmitglied auf Zeit auf Augenhöhe leben und Spaß haben.

Wie war der erste Tag mit Ihrem Gastkind?

Immer cool.

Welche Tipps haben Sie für zukünftige Gastfamilien?

Unser Rat: Offen bleiben, locker bleiben und das Miteinander nicht mit überzogenen Erwartungen überfrachten.

Was hat Sie am meisten überrascht in der Zeit mit Ihrem Gastkind aus den USA?

Wie radikal sich die Welt seit unserer Jugend verändert hat.

Heute leben wir in einer   globalisierten Welt, in denen ein internationaler Austausch normal ist. Das war vor 30 Jahren total anders.  Die Begegnung über Kulturschranken hinweg ist heute sehr viel normaler und selbstverständlicher, die Kommunikation (auch dank Technik) sehr viel leichter. Und auch das Wissen voneinander ist sehr viel größer als es vor 30 Jahren war. Das alles finden wir sehr schön und erfreulich, trotz und gerade wegen der vielen Spannungen und Problematiken, denen sich unsere globalisierte Welt heute stellen muss. Man kann vor diesem Hintergrund die Bedeutung von PPP nicht hoch genug bewerten.

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