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Artikel

26. November 2020

Videobeitrag von Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble zur Verleihung des Deutschen Studienpreises 2020 der Körber-Stiftung

[Es gilt das gesprochene Wort]

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Preisträgerinnen und Preisträger!

„Der Forscher ist eine Art Weltbürger (…), der keinem Fürsten, sondern der Erkenntnis dient.“ Der Virologe Christian Drosten zitierte mit diesen Worten vor wenigen Wochen Friedrich Schiller.

Die Wissenschaft sollte frei von politischer Einmischung sein – das gilt auch in der Corona-Pandemie, in der wissenschaftliche Beratung für die Politik von existentieller Bedeutung ist. Christian Drosten ist zum Sinnbild dieser Beratung geworden. Aber auch zu ihrem Zerrbild, weil er als Wissenschaftler für politische Entscheidungen verantwortlich gemacht und angefeindet wird. Beirren lässt er sich davon nicht. In seiner Mannheimer „Schiller-Rede“ betonte er, dass gerade aus der Freiheit der Wissenschaftler die Pflicht erwachse, „einzuordnen, was Fakt und was Fiktion ist“ – wobei sich im Übrigen auch der mündige Bürger dieser Verantwortung nicht entziehen sollte.

Das gesellschaftliche Interesse an der Erforschung des Corona-Virus ist ein Extremfall. Eine Ausnahme ist es nicht. Die Arbeiten der diesjährigen Studienpreisträgerinnen und Preisträger belegen, dass die Politik auch bei anderen Themen von wissenschaftlichen Erkenntnissen profitieren kann. Die Tücken automatisierter Kriminalprognosen, die Risiken unkontrollierter Geldschöpfung, laserbasierte Schnelltests auf resistente Keime – bereits die drei erstplatzierten Studien zeigen: Die Wissenschaft macht einerseits Probleme erst sichtbar. Andererseits entwickelt sie auch innovative Lösungsansätze.

Angesichts von Globalisierung und Digitalisierung verändert sich unsere Welt in rasantem Tempo. Wir müssen diese Veränderungen verstehen und darauf Antworten finden. Ob in der Gesundheitsvorsoge, in der Wirtschaftspolitik oder beim Klimaschutz – die Politik ist auf wissenschaftlich fundierte Beratung angewiesen. Es geht darum, den globalen Wandel im 21. Jahrhundert zu gestalten. Auf der Höhe der Forschung und gemeinsam mit der Wissenschaft.

Schiller meinte übrigens noch: „Wo das Gelehrte beginnt, hört das Politische auf.“ So klar lassen sich die Grenzen allerdings nicht immer ziehen. Wissenschaftliche Erkenntnisse haben oft auch politische Folgen. Zugleich kommt die Politik ohne die Wissenschaft kaum noch aus. Das Verhältnis zwischen beiden ist zwangsläufig spannungsreich.

Liebe Preisträgerinnen und Preisträger,

Sie haben bewiesen, dass aus dieser Spannung exzellente Forschung entstehen kann, die gleichermaßen unabhängig wie gesellschaftlich relevant ist.

Ich gratuliere Ihnen zum Deutschen Studienpreis der Körber-Stiftung.

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