Bundespräsident eröffnet Gedenkstätte Frauengefängnis Hoheneck
Nach einer gemeinsamen Kranzniederlegung mit ehemaligen inhaftierten Frauen am Gedenkstein besuchte der Bundespräsident das ehemalige Hafthaus. Hier zeigten ihm ehemalige Hoheneckerinnen den Zellen-Trakt und berichteten aus der Zeit ihrer Inhaftierung, die geprägt war von Angst, Erniedrigung, schlechter medizinischer Versorgung und Zwangsarbeit. Bei seinem Besuch zeigte sich der Bundespräsident tief beeindruckt von den Schicksalen der Hoheneckerinnen und vor allem von ihrem Mut, mit dem sie sich der Diktatur in den Weg gestellt haben.
In seiner Rede beim anschließenden Festakt sprach der Bundespräsident seinen tiefen Respekt gegenüber dem Mut der Hoheneckerinnen und unterstrich die gesamtdeutsche Bedeutung dieses Ortes. Gleichzeitig richtete der Bundespräsident seinen Blick auch auf die weitreichenden Folgen der Diktatur und warb gegenüber der Politik für unbürokratische Hilfe für politische Verfolgte, die heute unter den körperlichen und seelischen Folgen der erlebten Repression leiden. In seiner Rede verwies der Bundespräsident auch auf die Bedeutung des innerdeutschen Handels und den Vertrieb von Produkten aus der DDR-Gefängnisproduktion in Westdeutschland. Gegenüber den westdeutschen Firmen, die Waren aus der DDR bezogen haben, warb der Bundespräsident dafür, an der Aufklärung mitzuwirken und sich mit den Betroffenen an einen Tisch zu setzen und in den Austausch zu treten.
Bei einem von der SED-Opferbeauftragten moderierten Podiumsgespräch kamen ehemalige Hoheneckerinnen selbst zu Wort. So berichteten mit Konstanze Helber, Vorsitzende des Forums für politisch verfolgte und inhaftierte Frauen der SBZ/SED-Diktatur und der Vorsitzenden des Frauenkreises der ehemaligen Hoheneckerinnen Regina Labahn zwei der ehemaligen Inhaftierten Frauen davon, wie sie die Haft in Hoheneck erlebt haben und was die Einrichtung der heutigen Gedenkstätte für sie persönlich und für die politischen Gefangenen insgesamt bedeutet.
Dass es heute diese Gedenkstätte gibt, ist für die Opferbeauftragte keine Selbstverständlichkeit. Umso dankbarer ist die Bundesbeauftragte den ehemaligen Häftlingen, die über Jahrzehnte für die Einrichtung der Gedenkstätte gekämpft und sich in die Erarbeitung der Dauerausstattung eingebracht haben. Mit dem großen finanziellen Engagement des Freistaats Sachsen und des Bundes konnten weite Teile des Areals saniert und die Dauerausstellung eingerichtet werden. Ebenso hat die Stadt Stollberg sich intensiv für die Einrichtung der Gedenkstätte engagiert. Dies ist für eine kleine Kommune nicht selbstverständlich. Dass der Bund und der Freistaat Sachsen sich entschieden haben, die Gedenkstätte dauerhaft zu fördern unterstreicht für die Opferbeauftragte die nationale Bedeutung dieses Ortes.
Zupke: „Mit dem heutigen Tag wird aus diesem Ort des Leidens und der Unmenschlichkeit ein Ort der Aufklärung über die Diktatur. Dort wo früher widerständige Frauen schlimmste Repression erdulden mussten, hat heute die Gesellschaft die Chance, sich mit dem besonderen Wert der Freiheit und der Menschenrechte auseinanderzusetzen.“