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Wehrbeauftragter

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„Einheitliche Führung nötig“ – Interview, 13.11.2018

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© Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Die Bundeswehr hat ihren gefährlichsten Einsatz in Mali. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ist zurzeit vor Ort. Zum Einsatz Fragen an Hans-Peter Bartels, den Wehrbeauftragten des Bundestages.

Frage: Fünf Jahre nach Beginn des Bundeswehreinsatzes in Mali hat sich die Lage nicht wirklich verbessert. Droht uns dort ein neues Afghanistan?

Bartels: Jedes Krisengebiet ist anders. Ein großer Unterschied besteht darin, dass in Mali die UNO und die EU maßgeblich aktiv sind. In Afghanistan haben wir andere Hauptakteure – die NATO und vor allem die USA. Vergleichbar ist allerdings die Vielfalt der Hilfe, die in beide Regionen kommt – militärisch, politisch, wirtschaftlich. Da stehen im Moment viele Köche in der Küche. Eine einheitliche Führung wäre hilfreich. Die malische Regierung schafft das ganz bestimmt noch nicht alleine.

Frage: Es gibt offenbar strategische Überlegungen für einen Kampfeinsatz zur Bekämpfung der Terroristen. Wäre dann nicht auch die Bundeswehr gefordert, sich daran zu beteiligen?

Bartels: Im Moment gibt es zwei Missionen mit deutscher Beteiligung, die beide keinen originären Kampfauftrag haben. Gleichwohl kann die UN-Truppe in Gefechte verwickelt werden und muss zurückschießen. Für die Terrorismusbekämpfung im Norden Malis ist die französische Armee, die ehemalige Kolonialmacht, mit ihrer Mission „Barkhane“ zuständig. Die Frage ist also weniger, was muss die Bundeswehr zusätzlich tun, sondern: Wie kann man die vielfältigen Bemühungen der unterschiedlichen Akteure besser koordinieren und auch die Ausbildung für die malische Armee noch effektiver gestalten. Der Aufwand ist relativ groß, die Erfolge bleiben aber prekär. Ob deutsch-französische oder europäische Führung – die Effektivität muss verbessert werden.

Frage: Sind die Defizite bei der Ausrüstung der Soldaten inzwischen behoben?

Bartels: Das Camp ist inzwischen recht gut ausgebaut. Es gibt weiter Wünsche hinsichtlich besserer Betreuungsmöglichkeiten für unsere 1000 Soldaten, aber insgesamt ist die Bundeswehr vergleichsweise gut ausgestattet. Der Einsatz selbst ist extrem fordernd – nicht nur die Wüstenhitze, auch die Tatsache, bis zu sechs Monate im Nirgendwo ausharren zu müssen. Die Kontingentverlegungen nach Mali sind bisher ziemlich kompliziert und zeitlich nicht immer zuverlässig: von Deutschland südwärts nach Bamako, von dort wieder mit einer zivilen Fluggesellschaft tausend Kilometer in den Norden nach Gao.

Interview: Andreas Herholz

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