Parlament

„Niemand muss sie einladen“ – Interview, 02.04.2019

Tageszeitungen

(Presse- und Informationsamt der Bundesregierung)

Interview mit dem Wehrbeauftragten in der „Passauer Neuen Presse“ vom 2. April 2019

„Niemand muss sie einladen“

Herr Bartels, die Bundeswehr soll aus Berliner Schulen verbannt werden. Dafür hat sich die SPD in der Hauptstadt ausgesprochen. Wie bewerten Sie die Forderung?

Bartels: Wenn das eine Distanzierung von unserer Parlamentsarmee sein sollte, dann hätte ich dafür null Verständnis! Die Bundeswehr gehört in die Mitte der Gesellschaft. Sie ist gerade kein Geheimorden oder Staat im Staate, sondern ausdrücklich, auch weil Sozialdemokraten das so mit durchgesetzt haben, Teil der demokratischen Ordnung unseres Grundgesetzes.

Sollten die Verteidigungsarmee und der Staatsbürger in Uniform nicht auch eine Rolle im Schulunterricht spielen?

Bartels: Ja. Genau dafür hat die Bundeswehr zurzeit 70 Jugendoffiziere, die auf Einladung von Lehrern über die Bundeswehr, ihren Auftrag und ihre eigene Erfahrung als Soldat authentisch informieren und diskutieren. Sie stellen ein Angebot für den Unterricht dar. Niemand muss sie einladen, aber dass eine Landesregierung die Lehrerinnen und Lehrer bevormundet, indem sie die Jugendoffiziere vorab schon mal pauschal auslädt, halte ich für falsch.

Die Berliner SPD argumentiert, die Nachwuchsgewinnung der Truppe dürfe nicht bei Minderjährigen in der Schule geschehen. Für „Töten und Sterben“ mache man keine Werbung, heißt es in dem Beschluss der Landes-SPD. Stehen die Sozialdemokraten noch geschlossen zur Parlamentsarmee?

Bartels: Den Verteidigungsauftrag des Grundgesetzes als „Werbung für Töten und Sterben“ zu diffamieren, ist schon bemerkenswert. Ich glaube nicht, dass dies die Haltung der deutschen Sozialdemokratie korrekt abbildet.

Interview: Andreas Herholz


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