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Wehrbeauftragter

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„Bundeswehr kann Beitrag zur Bewältigung der Coronakrise leisten“ – Interview, 20.3.2020

Tageszeitungen

© Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Interview mit dem Wehrbeauftragten im „Vorwärts“ vom 20. März 2020

„Bundeswehr kann Beitrag zur Bewältigung der Coronakrise leisten“

Frage: Ist die Bundeswehr für logistische bzw. medizinische Unterstützung in der Corona-Krise ausreichend vorbereitet?

Bartels: Wirklich vorbereitet auf eine weltweite Pandemie war kein Land und keine einzelne Institution. Aber die Bundeswehr kann jetzt zur Bewältigung der Krise in Deutschland natürlich einen Beitrag leisten. Nach Artikel 35 des Grundgesetzes heißt das „Amtshilfe“. Die Bundeswehr hat Personal, sie hat Material, sie hat Know How und gut ausgebildetes Führungspersonal. Für den Fall der Fälle ist das ein starkes Backup! In allen Truppenteilen bereitet man sich gegenwärtig auf den möglicherweise größten Hilfseinsatz in der Geschichte der Bundeswehr vor.

Frage: Wie bewerten Sie die Einberufung von Reservist*en, um die Bundeswehrkrankenhäuser zu unterstützen, durch die Bundesverteidigungsministerin?

Bartels: Das ist gut, geht auch relativ schnell und zeigt die Dienstbereitschaft vieler Reservistinnen und Reservisten des Sanitätsdienstes, die sich hier freiwillig gemeldet haben. Es geht ja nur freiwillig – und wenn die Arbeitgeber mitspielen.

Frage: Die Bundeswehr selbst ist von Coronaviruserkrankungen betroffen. Was muss jetzt zum Schutz der Soldat*innen geschehen?

Bartels: Die Parole in den Verbänden und Stäben lautet zur Zeit: „ausdünnen“. Teile der Truppen werden quasi in Bereitschaft nach Hause geschickt, um im Ernstfall schnell verfügbar zu sein, auch wenn es in der Kaserne selbst zu Ansteckungen gekommen sein sollte. Für erkrankte Soldatinnen und Soldaten steht der bundeseigene Sanitätsdienst bereit, der auch gerade zusätzlich Reserven aufbaut.

Frage: Der Bundesverkehrsminister schlägt vor, die Bundeswehr solle im Krisenfall Supermärkte beliefern. Was halten Sie davon?

Bartels: Möglich ist vieles, einschließlich logistischer Unterstützung, wenn zivile Behörden Nottransporte anfordern. Aber erstmal sollte alles andere ausgeschöpft sein, bevor man die Kräfte der Bundeswehr bindet.

Frage: Darüber hinaus fordert Herr Scheuer, bei einem Mangel an LKW-Fahrern solle die Bundeswehr einspringen. Ein zielführender Vorschlag?

Bartels: Wenn es ganz schlimm käme, müsste man einsetzen, was man hat! Das geht rechtlich.

Frage: Sind die Soldat*innen trotz Coronakrise für ihre vielfältigen Aufgaben einsatzbereit?

Bartels Stand heute: ja. Die mandatierten Auslandseinsätze laufen weiter, ebenso die Nato-Verpflichtungen etwa in Osteuropa, das deutsche Air Policing und die militärische Evakuierungsbereitschaft unserer Fallschirmjäger. Aber mit der Krise steigen natürlich, wie für viele andere Menschen in Deutschland auch, die Belastungen vieler Soldatinnen und Soldaten und ihrer Familien. Wer jetzt nach Mali verlegen muss, geht vorher in Deutschland erst einmal 14 Tage in Quarantäne, um keine zusätzlichen Viren in dieses gebeutelte Sahel-Land einzuschleppen. Entsprechend länger bleibt das Vorgängerkontingent in Afrika. Das ist hart, aber die Soldatinnen und Soldaten klagen nicht. Sie sehen die Krise. Und viele Mitbürgerinnen und Mitbürger sind heute froh, dass die Bundeswehr trotz aller laufenden Verpflichtungen auch zu Hause für jede Hilfe bereitsteht.

Interview: Lars Haferkamp

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