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Wehrbeauftragter

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Trauerappell

Ein Pastor in Tarnuniform segnet einen Sarg mit der Deutschlandfahne.

© Archivbild / Bundeswehr

Ein Soldat ist tot, von eigener Hand, im Einsatz. Zufällig bin ich wenige Tage später beim Kontingent. Ich spüre die gedrückte Stimmung. Der Kommandeur muss jetzt den Weg weisen: Wie geht man damit um? Wie arbeitet man das auf? Was ist ein würdiger Umgang? Der Militärgeistliche vor Ort hilft ihm bei den Antworten.

Ob die Motive für den Suizid von zu Hause ausgingen, ob es einen Lagerkoller gab, Konflikte mit Kameraden, warum der junge Mann nicht mehr ein noch aus wusste - keiner kann es sicher wissen. Hätte man es vorher gewusst! Nun ist es zu spät. Ein Mensch ist gegangen.

Am Abend der Trauerappell: In einer Halle ist der Sarg aufgebahrt, davor ein Foto, das Kontingent in Hufeisenform angetreten. Meldung an den Kommandeur, dann ein Musikstück, wer immer es ausgesucht hat: Joan Baez, Brothers in Arms. Der Pfarrer hält seine Ansprache, verschweigt die Ratlosigkeit nicht, spendet Trost, segnet. Wie unglaublich angemessen ein Segen sein kann! Eine Verbindung zwischen hier und zu Hause, zwischen militärischer und ziviler Identität, zwischen dem Einzelnen und dem Höchsten, zwischen Jetzt und Immer.

Noch ein Musikstück vom Band. Ansprache des Kommandeurs, keine Phrasen. Eine Minute Stille zum Gedenken. Nicht jeder kannte den Verstorbenen persönlich, aber im Einsatz ist jeder „einer von uns“. Der Tod in der Fremde berührt anders.

Nationalhymne, das Kontingent grüßt. Ein Zug tritt vor, Spalier zu bilden. Die Träger heben den Sarg auf ihre Schultern, Foto und Ordenskissen führen den Ausmarsch an.

Bis der Sarg das Hallentor passiert hat, grüßt die angetretene Formation, folgt dann der Prozession zum Flugzeug. Ein letzter Gruß, bis der Sarg im Bauch des Flugzeugs verschwunden ist. Rückkehr in die Halle, Abmeldung des Trauerappells.

Ich bin dankbar, dabei gewesen zu sein, gesehen zu haben, wie Anteilnahme, militärische Form und geistlicher Zuspruch den Umgang mit Tod und Trauer ermöglichen. Der Pfarrer weiß, dass er später in dieser Sache mit einigen Kontingentangehörigen noch Gespräche führen wird. Dafür ist er da. Gut, dass es ihn gibt.

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