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Presse

Ausschuss berät über Perspektiven für den Tourismus

Tourismus/Anhörung - 06.04.2022 (hib 164/2022)

Berlin: (hib/EMU) In einer öffentlichen Anhörung im Tourismusausschuss haben Vertreter der deutschen Tourismusbranche aus ihren Bereichen berichtet und ihre Wünsche an die Politik formuliert, um den Wirtschaftszweig nach dem Ende der Pandemie und in Zeiten des Krieges wieder auf die Beine zu helfen.

Der Präsident des Deutschen Reiseverband (DRV), Norbert Fiebig, sagte zu Beginn, dass viele Betriebe ohne die Hilfestellung der Bundesregierung nicht durch die Pandemie gekommen wären. Es sei so jedoch in seinem Verband zu keiner besonderen Häufung von Insolvenzen gekommen. Fiebig berichtete, dass es ab Februar zwar zunächst einen Anstieg der Buchungszahlen gegeben habe, sich aber die Folgen des Krieges noch nicht absehen ließen. Bei den Buchungszahlen liege man insgesamt noch ein Drittel unter den Zahlen der Vor-Pandemie-Phase. „Das wird ein anspruchsvolles Jahr werden“, sagte Fiebig. Es sei nun wichtig, die Erkenntnisse der letzten Krisen nutzen, um sensibel mit den noch nicht absehbaren Folgen der andauernden Pandemie umzugehen.

Timm Fuchs, Beigeordneter für Tourismus beim Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB), berichtete, dass es in den Pandemiejahren einige Hotspots gegeben habe, die „sehr, sehr hohe Zuwächse“ zu verzeichnen hatten. So gebe es beispielsweise in Schleswig-Holstein Orte, die durch den Zuwachs an Touristen an ihre Grenzen gestoßen seien, was Infrastruktur und Verkehrswege angehe. Auf der anderen Seite hätten Städte und Gemeinden, die ihren Schwerpunkt eher im Kultur- und Bustourismus oder bei Messen und Veranstaltungen haben, große Verluste an Besuchszahlen gehabt. Fuchs sagte außerdem, es gebe einen großen Arbeitskräftemangel in der Branche: „Uns fehlt nicht nur der Koch, sondern auch der Kellner.“ Es brauche bessere Bedingungen, um die Leute dauerhaft in den Jobs zu halten.

Seiner Branche werde medial oft angedichtet, dass sie der Gewinner der Pandemie sei, sagte Christian Günther, Geschäftsführer des Bundesverbands der Campingwirtschaft in Deutschland e.V. (BVCD). Es habe zwar einen merklichen Zuwachs beim Campingurlaub gegeben, das sei jedoch schon vor der Pandemie der Fall gewesen, so Günther: „Dieser Trend wurde von Corona höchstens beschleunigt.“ Jedoch hätte die Diskrepanz zwischen strengen Corona-Regeln im Inland bei gleichzeitiger Freizügigkeit im Ausland im Jahr 2021 zu einem Minus bei den Übernachtungszahlen auf deutschen Camping- und Stellplätzen geführt. Es sei das Jahr mit den historischen niedrigsten Zahlen ausländischer Gäste auf deutschen Campingplätzen gewesen, berichtete Günther.

Der Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverbands, Norbert Kunz, bezeichnete den Tourismus in Deutschland als „ein wirklich wirtschaftliches Schwergewicht“. Rund 4,1 Millionen Menschen seien direkt oder indirekt im Bereich Tourismus beschäftigt, so Kunz. Das Reisen fördere den kulturellen Austausch und die Bildung, schaffe Lebensqualität, helfe der Gesundheit und stärke den Zusammenhalt: In Zeiten der Krisen sei es umso wichtiger, den besonderen Stellenwert des Tourismus in den Blick zu nehmen, forderte Kunz.

Für die besonders mittelständisch geprägte Branche der Busunternehmen sprach Melina Strohkirch, Referentin für Touristik beim Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen, vor den Abgeordneten. Momentan seien aufgrund der Krisen für die Unternehmen jegliche Preiskalkulationen „absolut obsolet“ geworden. Die Buchungszahlen gingen zurück, da die Gäste aufgrund des Krieges verunsichert seien, sagte Strohkirch. Sie forderte, die Mehrwertsteuer für den internationalen Busverkehr zu senken. „Wenn die Steuer gesenkt wird, sinken auch die Ticketpreise und die Verkehrsmittel werden wieder stärker in Anspruch genommen“, sagte Strohkirch. Das habe man auch im Fall der Deutschen Bahn beobachten können.

„Das Gastgewerbe braucht für den Neustart Planbarkeit“, sagte Guido Zöllick, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands. Dafür müsse man die Wettbewerbsfähigkeit der Branche wieder stärken. Die Pandemie habe „riesige Löcher“ in die Bilanzen gerissen, sagte Zöllick, trotz der Hilfen der Regierung. Die Branche habe zudem Hunderttausend sozialversicherungspflichtig Beschäftigte verloren. Er forderte die Entfristung der Mehrwertsteuersenkung auf Speisen und Getränke: Besonders die getränkegeprägte Gastronomie liege noch am Boden, wenn man auf Bars und Clubs schaue.

Die Anhörung im Video: https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2022/kw14-pa-fachgespraech-tourismus-882562