Deutscher Bundestag - Startseite

Interview

Alexander Radwan zur IPU-Tagung: Kampf gegen Hunger gemeinsam anpacken

Der CSU-Abgeordnete Alexander Radwan steht am Mikrofon des Rednerpults im Plenarsaal des Bundestages und spricht.

Der CSU-Abgeordnete Alexander Radwan leitet die deutsche Delegation zur Interparlamentarischen Union (IPU). (© picture alliance/dpa | Celine Frohnapfel)

Ob am Persischen Golf oder in der Ukraine: Bei den gegenwärtigen Konflikten wird zu wenig darauf geschaut, was das mit den Menschen weltweit macht, sagt Alexander Radwan (CDU/CSU), Leiter der deutschen Delegation zur Interparlamentarischen Union (IPU) im Nachgang der diesjährigen Herbsttagung der Organisation, die vom 5. bis 9. Oktober 2026 in Arusha, Tansania, stattfand. Menschen werde Gewalt und Unrecht angetan, viele würden Hunger leiden: „Dem wollen wir Parlamentarier etwas entgegensetzen.“ Dazu verfolge man einen sehr breiten, inklusiven Ansatz. Im Interview spricht der Außenpolitiker aus dem oberbayerischen Wahlkreis Bad Tölz – Wolfratshausen – Miesbach über das Hauptthema der Herbsttagung sowie den Wert der IPU als Ort des internationalen Austauschs und ruft dazu auf, dass die Parlamentarier, die aus ganz unterschiedlichen politischen Systemen kommen, große, existenzielle Themen wie den Kampf gegen den Hunger gemeinsam anpacken. Das Interview im Wortlaut:

Herr Radwan, das Thema der Generaldebatte der diesjährigen Herbsttagung lautete „Stärkung einer guten Regierungsführung und Stärkung der Gemeinden durch Inklusion, Vertrauen und Chancen für alle“. Worum ging es dabei konkret?

Inklusion wird bei der IPU in einem sehr umfassenden Sinn verstanden. Da geht es nicht allein darum, wie Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen besser am Leben teilhaben können. Es bedeutet auch: Wie gehe ich mit Minderheiten um oder mit Gruppierungen, denen keine politische Rechte zustehen? Wenn man darüber nachdenkt, kommt man schnell auf tagesaktuelle Themen der Gewalt, der Bürgerkriege. Menschen werden ihre Rechte streitig gemacht oder kommen zu Schaden. Dies geschieht leider weltweit millionenfach. Dem wollen wir Parlamentarier etwas entgegensetzen. Daher verfolgen wir in der IPU einen sehr breiten Ansatz, der, wenn er richtig gelebt würde, sehr stark dazu beitragen könnte, die Konflikte in der Welt zu reduzieren.

Im Rahmen dieser Debatte haben Sie einen Redebeitrag geleistet. Was war Ihr Punkt?

Ich habe die Situation eines Inhaftierten in Tansania angesprochen. Es gab ja dort Wahlen, die begleitet waren von sehr starken Auseinandersetzungen und Repressionen. Ich wollte aber vor allem die Verbindung unterstreichen, die besteht zwischen den großen aktuellen Konflikten um die Straße von Hormus und den russisch-ukrainischen Krieg einerseits, und was für schwerwiegende Auswirkungen diese Auseinandersetzungen auf die Ernährung in vielen unbeteiligten Ländern haben andererseits. In den Medien wird ja meist nur über die Konflikte selbst berichtet, über die Frontlinien und die Auswirkungen in den kriegführenden Ländern. Was aber stark untergeht: Für viele Länder in Afrika bedeutet es die realistische Gefahr einer Hungersnot, wenn aus der Ukraine das Getreide nicht rauskommt und aus den Golfstaaten keine Düngemittel. Wir Parlamentarier sollten uns auf das gemeinsame Ziel verständigen, dass wir es, egal wer Konflikte miteinander austrägt, nicht zu Hungersnöten kommen lassen.

Was tragen Parlamente zur Krisenbewältigung bei?

Die IPU ist an sich schon ein Wert, weil in ihrem Rahmen Parlamentarier aus aller Welt, fast vollständig aus allen Ländern, zusammenkommen und sich austauschen. Es handelt sich überwiegend nicht um Parlamente in unserem demokratischen Verständnis, sondern da kommen die Vertreter von Versammlungen zusammen mit ganz unterschiedlicher Verfasstheit. Aber sie kommen miteinander ins Gespräch. 

Was läuft in der Sicherheitspolitik bei uns anders als in anderen Parlamenten?

Der Deutsche Bundestag ist ein sehr starkes Parlament, ausgestattet mit fundamentalen Rechten. Denken Sie nur an unsere Streitkräfte. Man spricht nicht umsonst von einer „Parlamentsarmee“. Da hat der Bundestag besondere Rechte. Nicht der Bundeskanzler oder der Verteidigungsminister kann sie einfach entsenden, sondern für ihren Einsatz braucht es ein Parlamentsmandat, also die Mehrheit der Abgeordneten muss es unterstützen. Vorher gibt es eine ausführliche Auseinandersetzung über die Einsatzziele. Das ist in anderen Ländern so nicht vorstellbar. Über diese Besonderheit Deutschlands kommen wir natürlich ins Gespräch, darüber, was die Vorteile unserer Verfassung sind und wie die Abläufe in anderen Ländern sind. Durch den Vergleich reflektiert man die eigene Situation und die eigenen Errungenschaften bewusster. 

Die IPU-Tagung nutzen die Delegationen gerne intensiv für bilaterale Treffen. Mit wem hat die deutsche Delegation diesmal über was gesprochen? 

Wir hatten bilaterale Treffen mit Australien, der Ukraine sowie den Golfstaaten Katar und Vereinigte Arabische Emirate. Aus Australien stellte sich der dortige Speaker des Parlaments zur Wahl als neuer Präsident der IPU. Von den Abgeordneten der Ukraine wollten wir deren Einschätzung über die Situation in ihrem Land hören. Und ebenso war es mit den Delegationen der Golfstaaten, von denen wir wissen wollten, wie sie den Krieg dort erleben und welche Auswege sich auftun. 

Wie war denn Ihr Eindruck? Was tut sich, was kann man tun?

Es ist in beiden Fällen eine sehr schwierige Lage. Die Konfliktparteien haben sich ineinander verbissen. Das Leiden der Menschen ist groß. Das wurde uns ausdrücklich geschildert. Verbunden mit der Erwartung, ja der Bitte an Deutschland, mehr zu tun. Es wird erwartet, das wir uns noch stärker engagieren bei der Überwindung der Konflikte, im Rahmen unserer Möglichkeiten. Und auch als Partner, sowohl einer der hilft als auch einer, mit dem sie dann wirtschaftlich zusammenarbeiten wollen. Für uns steht also viel auf dem Spiel, aber es tun sich auch gewaltige Chancen auf. Wir müssen ja nur an die gute Zusammenarbeit anknüpfen und uns gegenseitig helfen. Wir machen zudem ähnliche Erfahrungen mit den USA als Partner, die für uns weiter essenziell sind. Aber man muss auch ein Stück weit für sich selber sorgen. 

Die Versammlung hat auch einen neuen Präsidenten gewählt: Milton Dick, Speaker of the House of Representatives of Australia. Was erwarten Sie von Milton Dick?

Er ist sehr engagiert und hat sich in einer aufwändigen Kampagne mit viel Energie und Zeit allen vorgestellt in den vergangenen Monaten und ist auf die anderen zugegangen. An seiner demokratischen Gesinnung besteht kein Zweifel. Er bringt alles mit, um die IPU gut zu vertreten und wird versuchen aus seiner demokratischen Tradition heraus einen breiten Bogen zu spannen, um alle anderen Parlamentarier mitzunehmen. 

Die IPU ist ein Spannungsraum verschiedenster Perspektiven und Probleme und „Spiegel der Konflikte der Welt und des Umgangs der Menschen miteinander“, sagten Sie neulich. Ein Großteil der Parlamente ist nicht nach unserem Verständnis demokratisch. Gibt es dennoch so etwas wie einen gemeinsamen parlamentarischen Spirit aller?

AleWir schauen uns das gegenseitig immer an und hören direkt aus der aktuellen Praxis, wie welches System funktioniert. Vor allem begegnen wir einander mit Respekt, sagen uns aber auch klar unsere Meinung. Um sich mit gleichgesinnten Ländern, zum Beispiel den demokratisch verfassten, zusammenzutun, gibt es die sogenannten geopolitischen Gruppen. Deutschland gehört der „Zwölf-Plus-Gruppe“ an, die 47 europäische, aber auch Kanada oder Australien umfasst. Ob in der Gruppe oder darüber hinaus: Die IPU mit ihren Tagungen bietet ein wichtiges Forum zum Netzwerken, um mit anderen Ländern oder auch innerhalb politischer Parteien-Familien die Themen voranzubringen, die die Welt aktuell bewegen. Wir sollten als Parlamentarier, egal innerhalb welcher Verhasstheit, ob demokratisch oder autokratisch organisiert, die Kraft aufbringen, solche Themen gemeinsam anzupacken und etwa Hungerkatastrophen, die durch Kriege verursacht werden, bekämpfen. Auch wenn es viele Unterscheide gibt: Mann sollte mit der Klammer des Gemeinsamen anfangen und sich nicht gleich an Fragen abarbeiten, in denen bereits der Keim der Zwietracht angelegt ist.

(ll/19.10.2026)

Befragung der Bundesregierung

Johann Wadephul und Nina Warken stellen sich den Fragen der Abgeordneten

Bundesaußenminister Johann Wadephul und Bundesministerin Nina Warken in einer Collage.

Bundesaußenminister Johann David Wadephul und Kanzleramtsministerin Nina Warken stellen sich den Fragen der Abgeordneten. (© picture alliance/Flashpic/JensKrick/dts-agentur)

Liveübertragung: Mittwoch, 4. November, 14 Uhr

Die Sitzungswoche beginnt am Mittwoch, 4. November 2026, mit der eineinhalbstündigen Regierungsbefragung. Darin stellen sich Bundesaußenminister Dr. Johann David Wadephul (CDU) und Bundeskanzleramtsministerin Nina Warken (CDU) den Fragen der Abgeordneten.

In Sitzungswochen können die Abgeordneten des Deutschen Bundestages mittwochs nach der Sitzung des Bundeskabinetts über die dort besprochenen Vorhaben Auskunft erhalten und Fragen an die Bundesregierung stellen. Die Regierungsbefragung im Plenum dient der Erstinformation der Abgeordneten. Sie beginnt mit je bis zu achtminütigen Berichten der Bundesministerinnen oder -minister zu Themen der morgendlichen Sitzung. Anschließend kann zunächst zu diesen Themen, dann zu weiteren Themen der Kabinettssitzung und schließlich zu sonstigen Angelegenheiten gefragt werden. (eis/19.10.2026)

Fragestunde

Fragestunde am 4. November

Ein Mikrofon ist im Plenarsaal des Deutschen Bundestages mit der Regierungsbank im Hintergrund zu sehen.

Die Fragestunde dauert 45 Minuten. (© DBT/Florian Gaertner / photothek)

Liveübertragung: Mittwoch, 4. November, 15.40 Uhr

Im Anschluss an die Regierungsbefragung folgt am Mittwoch, 4. November, die Fragestunde. Getrennt nach Ressorts beantworten Vertreter der Bundesregierung 45 Minuten lang Fragen, die von den Abgeordneten vorab schriftlich eingereicht wurden. Jeder Abgeordnete kann vorab bis zu zwei Fragen an die Bundesregierung einreichen. Nach der regelmäßig durch einen Parlamentarischen Staatssekretär oder einen Bundesminister erfolgenden Beantwortung können der Fragesteller, aber auch andere Abgeordnete des Deutschen Bundestages Zusatzfragen stellen und so die Bundesregierung zu weiteren Stellungnahmen zwingen.

Reicht die Zeit nicht aus, werden noch nicht aufgerufene Fragen von der Regierung schriftlich beantwortet. Ebenso kann der Fragesteller vorab um schriftliche Beantwortung bitten, wenn er aufgrund der Teilnahme an einer Ausschusssitzung daran gehindert ist, seine Frage mündlich zu stellen. (eis/16.10.2026)

Vereinbarte Debatte

Vereinbarte Debatte zum Thema „15 Jahre Aufdeckung des NSU“

Auf einer Metall-Gedenkplatte ist die Inschrift „Opfer des NSU“ eingraviert.

Gedenkplatte am Gedenkort für die Opfer des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds in Zwickau (© picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Hendrik Schmidt)

Liveübertragung: Donnerstag, 5. November, 11.20 Uhr

Im Bundestag findet am Donnerstag, 5. November 2026, eine Vereinbarte Debatte zum Thema „15 Jahre Aufdeckung des NSU – Der Opfer gedenken, der Verantwortung gerecht werden und heutige Bedrohungen ernst nehmen“ statt. „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) nannte sich die terroristische Vereinigung, deren Mordserie am 4. November 2011 aufgedeckt wurde.

Bei einer Vereinbarten Debatte handelt es sich um Aussprachen über ein bestimmtes Thema ohne eine Vorlage oder eine Regierungserklärung als Beratungsgegenstand. (hau/19.10.2026)

Parlament

Überweisungen im vereinfachten Verfahren

Symbolbild mit dem leeren Rednerpult im leeren Plenarsaal des Bundestages, in dem viele blaue Stühle stehen

Der Bundestag überweist bestimmte Vorlagen ohne Aussprache an die Ausschüsse. (© Deutscher Bundestag / Werner Schüring)

Liveübertragung: Donnerstag, 5. November, 12.30 Uhr

Ohne Aussprache überweist der Bundestag am Donnerstag, 5. November 2026, Vorlagen zur weiteren Beratung an die Ausschüsse:

Schwimmsport: Bündnis 90/Die Grünen haben einen Antrag mit dem Titel „Schwimmen können, Wasser erleben, Leben schützen – Schwimmfähigkeit und Schwimmkultur in Deutschland stärken“ angekündigt, der zur federführenden Beratung an den Ausschuss für Sport und Ehrenamt überwiesen werden soll. (vom/19.10.2026)

Parlament

Abschließende Beratungen ohne Aussprache

Menschen im Plenarsaal heben die Hand zur Abstimmung.

Die Abgeordneten des Bundestages entscheiden über manche Vorlagen ohne vorherige Debatte im Plenum. (© DBT/Simone M. Neumann)

Liveübertragung: Donnerstag, 5. November, 12.35 Uhr

Ohne Aussprache stimmt der Bundestag am Donnerstag, 5. November 2026, über mehrere Vorlagen ab:

Albanien: Abgestimmt wird etwa über den Gesetzentwurf der Bundesregierung „zu dem Protokoll vom 9. Juni 2026 zur Änderung des Abkommens vom 6. April 2010 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Albanien zur Vermeidung der Doppelbesteuerung und der Steuerverkürzung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen und vom Vermögen“ (21/8244(Dokument, öffnet ein neues Fenster)). Hierzu hat der Finanzausschuss eine Beschlussempfehlung vorgelegt (21/8665(Dokument, öffnet ein neues Fenster) Buchstabe b). Wie die Regierung erläutert, beruht das Protokoll auf den Arbeiten zum Mehrseitigen Übereinkommen vom 24. November 2016 zur Umsetzung steuerabkommensbezogener Maßnahmen zur Verhinderung der Gewinnverkürzung und Gewinnverlagerung. Der Inhalt des Übereinkommens soll in Doppelbesteuerungsabkommen implementiert werden. Die Regierung hebt hervor, dass nicht nur Doppelbesteuerungen, sondern auch Nicht- oder Niedrigbesteuerungen durch Steuerverkürzung oder -umgehung vermieden werden sollen. Der Bundesrat hat gegen den Gesetzentwuf keine Einwände erhoben (21/8685(Dokument, öffnet ein neues Fenster)).

Biomasseverordnung: Auf der Grundlage einer Beschlussempfehlung des Ausschusses für Wirtschaft und Energie entscheidet das Parlament zudem über die Verordnung der Bundesregierung zur Änderung der Biomasseverordnung (21/6810(Dokument, öffnet ein neues Fenster), 21/7064(Dokument, öffnet ein neues Fenster) Nr. 2). Das Hauptziel der Verordnung ist es, wertvolles Holz zu schonen und europäische Vorgaben der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED III) in deutsches Recht umzusetzen. Bestimmte Holzsortimente wie Sägerundholz, Furnierrundholz sowie Baumstümpfe und Wurzeln sollen aus der Förderung gestrichen werden. Dieses Holz soll nicht mehr einfach verbrannt, sondern vorrangig in der Industrie, beispielsweise zur Möbelherstellung, genutzt werden. Industrierestholz bleibt nach wie vor förderfähig. Anlagen, die ausschließlich Strom erzeugen und forstwirtschaftliche Biomasse verwenden, erhalten künftig keine Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mehr. Ausnahmen sind für Anlagen vorgesehen, die zusätzlich Technologien zur Biomasse-CO2-Abscheidung und -Speicherung einsetzen. Die Verordnung bedarf der Zustimmung des Bundestages.

Petitionen: Das Parlament stimmt über elf Beschlussempfehlungen des Petitionsausschusses zu Petitionen ab, die beim Bundestag eingegangen sind und vom Petitionsausschuss beraten wurden. Es handelt sich dabei um die Sammelübersichten 341 bis 351 (21/8581(Dokument, öffnet ein neues Fenster), 21/8582(Dokument, öffnet ein neues Fenster), 21/8583(Dokument, öffnet ein neues Fenster), 21/8584(Dokument, öffnet ein neues Fenster), 21/8585(Dokument, öffnet ein neues Fenster), 21/8586(Dokument, öffnet ein neues Fenster), 21/8587(Dokument, öffnet ein neues Fenster), 21/8588(Dokument, öffnet ein neues Fenster), 21/8589(Dokument, öffnet ein neues Fenster), 21/8590(Dokument, öffnet ein neues Fenster), 21/8591(Dokument, öffnet ein neues Fenster)). 

Verzicht der Kindergeldanrechnung auf Leistungen nach dem SGB II

Darunter findet sich auch eine Petition mit der Forderung auf den Verzicht der Anrechnung des Kindergeldes als Einkommen auf Grundsicherungsleistungen, „zumindest für das erste Kind“. Zur Begründung der Petition wird insbesondere ausgeführt, dass aufgrund der Inflation und Energiepreiserhöhungen Empfänger und Empfängerinnen mit schulpflichtigen Kindern erheblich benachteiligt würden. Dies treffe auch auf Grundsicherungsempfänger mit Kindern zu, die aufgrund geringer Altersrente leistungsberechtigt seien, schreibt der Petent. Zumindest auf das erste schulpflichtige Kind solle daher ein Verzicht auf die leistungsmindernde Anrechnung des Kindergeldes in Erwägung gezogen werden, heißt es in der öffentlichen Petition (ID 137736).

Die in der Sitzung des Petitionsausschusses am 14. Oktober verabschiedete Beschlussempfehlung an den Bundestag sieht nun vor, das Petitionsverfahren abzuschließen, „weil dem Anliegen nicht entsprochen werden konnte“. Der Petitionsausschuss bewertet ausweislich der Begründung zu seiner Beschlussempfehlung die geltende Rechtslage für sachgerecht und vermag sich nicht für eine Gesetzesänderung im Sinne der Petition auszusprechen. 

Die Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) sei „zur Erhaltung ihrer Funktionsfähigkeit und zu ihrer Finanzierbarkeit“ auf die Einhaltung des Nachranggrundsatzes angewiesen, heißt es in der Begründung. Erst wenn antragstellende Menschen alle Selbsthilfemöglichkeiten ausgeschöpft haben, komme die Grundsicherung nach dem SGB II als Auffangnetz zum Tragen. Zu diesen vorrangigen Selbsthilfemöglichkeiten gehöre insbesondere der Einsatz von vorhandenem Einkommen zur Deckung des Lebensunterhalts. 

Aufgrund des Nachranggrundsatzes als Einkommen zu berücksichtigen

Da Kindergeld der Sicherung des Lebensunterhalts der Kinder und damit demselben Zweck wie die Leistungen nach dem SGB II diene, sei es aufgrund des Nachranggrundsatzes bei den Grundsicherungsleistungen als Einkommen zu berücksichtigen, schreibt der Petitionsausschuss. Kann ein Kind seinen eigenen Lebensunterhalt aus anderen Einkünften selbst sicherstellen, benötige es das Kindergeld zur Sicherstellung des eigenen Existenzminimums nicht. In diesem Fall werde das Kindergeld als Einkommen des Kindes berücksichtigt. 

Die Nichtberücksichtigung des Kindergeldes, so heißt es weiter, würde die Beziehenden von Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende gegenüber anderen Einkommensbeziehenden ungerechtfertigt besserstellen. Denn auch nichtleistungsbeziehende Personen, insbesondere solche mit geringem Einkommen, müssten das Kindergeld zur Deckung des Bedarfs der Kinder einsetzen. (ste/hau/19.10.2026)