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Schäuble und Mützenich würdigen die Verdienste Thomas Oppermanns

Trauerfeier im Gedenken an den verstorbenen Vizepräsidenten Thomas Oppermann

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Der Bundestag hat am Mittwoch, 28. Oktober 2020, seines am 25. Oktober in Göttingen verstorbenen Vizepräsidenten Thomas Oppermann (SPD) gedacht. Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble betonte in seiner Traueransprache die „bemerkenswerte Fähigkeit“ Oppermanns, ausgleichend zu wirken und Brücken zwischen unterschiedlichen Auffassungen und Interessen zu bauen. Es sei ihm gelungen, über allem politisch Trennenden das gemeinsame Anliegen immer im Blick zu behalten. Feiner Humor und Selbstironie hätten ihn ausgezeichnet. „Seine besonnene Art, sein Sachverstand, seine Kollegialität werden uns schmerzlich fehlen“, sagte der Bundestagspräsident.

„Klar und loyal in seiner sozialdemokratischen Haltung“

Schäuble begrüßte auf der Ehrentribüne neben dem früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck und dem früheren Bundeskanzler Dr. Gerhard Schröder auch Familienangehörige Oppermanns, der dem Bundestag seit 2005 angehört hatte und dessen Vizepräsident er seit 2017 war. Oppermann sei „klar und loyal in seiner sozialdemokratischen Haltung, aber nie ideologisch“ gewesen, würdigte der Bundestagspräsident den Verstorbenen.

Seinen Göttinger Wahlkreis habe er viermal in Folge direkt gewonnen. 2007 wurde Oppermann zum Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD-Fraktion gewählt: „Eine Schlüsselposition, in der er die interfraktionelle Zusammenarbeit in der schwierigen Zeit der Finanz-, Wirtschafts- und Eurokrise mitgestaltete.“

„Große Verdienste um Parlamentarismus und Demokratie“

Oppermann hat sich nach den Worten Schäubles nachdrücklich für eine grundlegende Wahlrechtsreform eingesetzt. In einer Zeit, in der die Demokratie ohnehin unter Druck stehe, habe er es als „ein Spiel mit dem Feuer“ bezeichnet, aus parteitaktischen Gründen zu keiner Einigung zu kommen. „Deshalb wies er auch bis zuletzt immer wieder auf die gerade in Zeiten der Pandemie unverzichtbaren Parlamentsrechte hin und forderte, sie selbstbewusst wahrzunehmen“, sagte Schäuble.

Voller Vorfreude auf die Zeit nach der aktiven Politik sei Oppermann gewesen. Sein jäher Tod habe diese Pläne „auf tragische Weise“ durchkreuzt. „Und so nehmen wir alle Abschied von einem leidenschaftlichen Sozialdemokraten, einem erfahrenen Politiker, der unser Land in den vergangenen Jahrzehnten in herausragenden Ämtern mit gestaltet hat. Thomas Oppermann hat sich um den Parlamentarismus und die Demokratie in unserem Land große Verdienste erworben. Der Deutsche Bundestag wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren“, betonte der Bundestagspräsident.

„Stratege, Gestalter, Energiebündel, feiner Kerl“

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Rolf Mützenich sprach von einem „Schock“, als die Nachricht vom plötzlichen Tod Oppermanns eintraf. Thomas Oppermann sei eine bedeutende politische Persönlichkeit mit „Strahlkraft“ gewesen: „Er war ein Stratege, ein Gestalter, ein Energiebündel, ein feiner Kerl. Er wird uns fehlen.“

Auch ein „Generalist im besten Sinne“ sei er gewesen. Er habe die Abteilung „Klartext, Attacke“ ebenso beherrscht wie staatstragende Auftritte. Es sei kein Geheimnis, fuhr Mützenich fort, dass Oppermann gerne Bundesminister geworden wäre. Das habe ihn aber nicht davon abgehalten, die Rolle des Abgeordneten mit Leib und Seele auszufüllen.

Überzeugter Transatlantiker und großer Freund Israels

Die zwei Jahre, die Oppermann für die Aktion „Sühnezeichen“ Mitte der siebziger Jahre in den USA verbrachte, hätten ihn geprägt, sagte der SPD-Fraktionschef. Er sei ein überzeugter Transatlantiker gewesen. Zurück in Deutschland, habe er in Göttingen Jura studiert und sich in der Hochschulpolitik engagiert. Er habe für einen starken, vorsorgenden Sozialstaat gestritten und sich immer für die innere Sicherheit und Ordnung eingesetzt. Als Vizepräsident des Bundestages sei er für klare, rechtsstaatliche Verfahren und Regeln eingetreten.

Thomas Oppermann sei aber auch ein großer Freund Israels gewesen, der für das Existenzrecht Israels und für die deutsch-israelische Aussöhnung eintrat. Er habe sich für Kunst und Kultur begeistert, beim FC Bundestag Fußball gespielt und sei begeisterter Basketballfan gewesen. „Er wird in unseren Herzen und Taten weiterleben“, sagte Mützenich. „Wir sind dankbar, dass wir einen Teil unseres Weges zusammen mit Thomas gehen duften, Seit' an Seit'.“ 

Die Trauerfeier wurde musikalisch umrahmt vom Eisler-Trio der Hochschule Hanns Eisler in Berlin. Tobias Feldmann (Violine), Theresa Schwamm (Bratsche) und Arne-Christian Pelz (Violoncello) trugen das Andante aus dem 4. Satz (Choral) der Ungarischen Volksmelodien von Béla Bartók (1881-1945) in der in Bearbeitung von Karl Kraeuter sowie „Let it be“ von den Beatles, arrangiert für Streichtrio, vor. (vom/28.10.2020)

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